Hexameter

Johann Wolfgang von Goethe: Reineke Fuchs
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) griff das mittelalterliche Epos auf und formulierte es in 4312 Hexameter-Versen neu.
In einem Kosmos, der ein Abbild der lasterhaften menschlichen Gesellschaft darstellt, triumphiert der smarte, listige und skrupellose Fuchs immer wieder über andere Tiere. Sie fallen ihm zum Opfer – aber sie tragen alle durch eigene Schuld oder Dummheit dazu bei.
Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen!
Es grünten und blühten Feld und Wald;
auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken
übten ein fröhliches Lied die neu ermunterten Vögel;
Jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen,
festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.
Nobel, der König, versammelt den Hof; und seine Vasallen
eilen gerufen herbei mit großem Gepränge;
da kommen viele stolze Gesellen von allen Seiten und Enden,
Lütke, der Kranich, und Markart, der Häher, und alle die Besten.
Denn der König gedenkt mit allen seinen Baronen
Hof zu halten in Feier und Pracht; er lässt sie berufen
alle miteinander, so gut die Großen als Kleinen.
Niemand sollte fehlen! Und dennoch fehlte der Eine,
Reineke Fuchs, der Schelm!
Der viel begangenen Frevels halben des Hofs sich enthielt.
So scheuet das böse Gewissen
Licht und Tag, es scheute der Fuchs die versammelten Herren.
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