Die Metamorphosen des römischen Dichters Ovid, geschrieben vermutlich im Jahre 1 n. Chr., ist ein in Hexametern verfasstes mythologisches Werk über Metamorphosen ("Verwandlungen"). Die Metamorphosen bestehen aus 15 Büchern und beschreiben die Entstehung und Geschichte der Welt in den Begriffen der römischen und griechischen Mythologie. Seit seinem Erscheinen war es stets eines der populärsten mythologischen Werke überhaupt und sicherlich das den mittelalterlichen Schriftstellern und Poeten am besten bekannte.
Lust wird rege zum Sang, wie sich Formen in andere Körper
wandelten. Götter, o seid - ihr habt ja auch sie gewandelt -
meinem Beginnen geneigt, und vom Uranfange der Schöpfung
führt bis auf unsere Zeit des Gedichts fortlaufenden Faden,
ehe denn Meer und Land und der alles bedeckende Himmel,
war in dem ganzen Bereich der Natur ein einziges Aussehn,
das man Chaos genannt, ein verworrenes rohes Gemenge,
anderes nicht als träges Gewicht und zwistige Keime,
trübe zu einem gehäuft zu lose verbundenen Stoffen,
noch goss kein Titan in das Weltall leuchtende Strahlen,
noch nicht füllete aus durch Zuwachs Phoibe die Hörner.
Eignes Gewicht auch hielt noch nicht frei schwebend die Erde
in der umfließenden Luft, noch breitete Amphitrite
nicht weithin an dem Rand daliegender Länder die Arme:
da, wo Aither, alldort war Erdreich, Luft und Gewässer.
So war nicht zum Stehen das Land, zum Schwimmen die Woge,
Lichtes entbehrte die Luft, die Gestalt blieb keinem beständig.
Eins war feindlich im Wege dem anderen, weil in der Masse
Kaltes im Streit stets lag mit Warmem, mit Trockenem Feuchtes,
Weiches mit Hartem und mit dem Gewichtigen das, was gewichtlos.
Aber dem Zwist gab Schlichtung ein Gott und die bessere Triebkraft,
denn er schied von dem Himmel das Land und vom Lande die Wogen,
und von der dunstigen Luft los trennt' er den lauteren Himmel.